Paschen

Das Würfelspiel Paschen (manchmal auch unter dem französischen Originalwort Passe-dix oder unter den Bezeichnungen Knöcheln, Knobeln, Knockeln bekannt) kann wohl mit gutem Recht als das älteste Glücksspiel der Welt bezeichnet werden.
Schon die Griechen spielten das Hasardspiel und brachten die Weisheit um dieses Glücksspiel mit nach Rom, von wo aus es sich in der gesamten römischen Welt verbreitete.
Das wohl berühmteste Paschenspiel der menschlichen Geschichte wurde auf dem Kalvarienberg vor Jerusalem zwischen römischen Legionären, die sich um das Gewand des gekreuzigten Jesu stritten, ausgetragen.

Vor allem in Süddeutschland spielt man das Spiel seit dem späten Mittelalter vor allem an Silvester. Alten Geschichten zufolge trafen sich Männer und Frauen zum Würfelspielen im Gemeindehaus und bekamen dort sogar ein kostenloses Getränk spendiert. Interessanterweise findet sich ein Spiel mit denselben Spielregeln unter dem Namen „Elf hoch mit drei Würfeln“ auf einer Liste mit verbotenen Spielen, die das K.u.K-Justizministerium 1904 aufgestellt hat.

Die Spielregeln
Für das Paschen gibt es keine genauen und einheitlichen Spielregeln, je nach Region kennt man das Spiel mit den drei Würfeln in einer anderen Variation. Die folgenden Regeln finden sich im Brockhaus Konversationslexikon von 1896.

Der Bankhalter, einer der Spieler, setzt einen bestimmten Betrag, das sogennante Banco und die restlichen Spieler müssen dagegenhalten. Der Einsatz des Bankhalters und der der restlichen Spieler muss sich dabei genau entsprechen.
Daraus leiten sich folgende Möglichkeiten ab: möchte ein Spieler alleine gegen die Bank setzen, muss er genau diesen Betrag in die Mitte legen, die anderen Spieler dürfen dann nicht setzen. Setzen alle Spieler, und der zusammengerechnete Einsatz ist höher als der des Bankhalters, werden die überschüssigen Beträge zurückgegeben. Setzen die Spieler zusammengerechnet weniger als der Bankhalter, bekommt dieser den überschüssigen Betrag zurück.

Das eigentliche Würfeln ist relativ simpel. Der Bankhalter muss mit den drei Würfeln über elf Augen werfen, um das Spiel zu gewinnen. Davon kann man auch den Namen des Spiels herleiten, den der Begriff Paschen kommt aus dem französischen. Dort bedeutet passe-dix „die Zehn überschreiten“. Entsprechend verliert der Bankhalter also das Spiel, wenn er zehn oder weniger Augen werfen kann.
Oft gibt es die Sonderregel, dass ein Wurf mit drei verschiedenen Augenzahlen nicht gewertet wird. In diesem Fall muss der Bankhalter den Wurf wiederholen.

Zählt der Wurf des Bankhalters weniger als elf Augen, hat er also das Spiel verloren, muss er den Becher an seinen rechten Nachbarn weitergeben, er darf aber sein bisher gewonnenes Geld entnehmen. Hat er das Spiel gewonnen, also 11 Augen oder mehr gewürfelt, darf er die Bank behalten aber vorerst bleibt sämtliches gewonnene Geld in der Bank, der Einsatz erhöht sich also sozusagen ständig.

In den meisten Fällen wird mit einer weiteren Sonderregel gespielt. Es gibt nämlich den Triplepasch (alle drei Würfel zeigen die gleiche Augenzahl), der unter geübten Paschern als Jungfernpasch bezeichnet wird.
Hat der Bankhalter einen solchen Jungfernpasch geworfen, darf er die Bank behalten, das bisher gewonnene Geld entnehmen und einen neuen Banco setzen, unabhängig davon ob er das jetzige Spiel gewonnen hat oder nicht.

Normalerweise wird mit diesem Spiel ein ganzer Abend verbracht, heutzutage wird der „Gewinn“ oft zusammengelegt und gespart, ähnlich wie bei Skat- oder anderen Kartenspielrunden. In vielen südbadischen Gemeinden wird mit der zusammengelegten Paschenkasse am Ende des Silvesterabends süßes Gebäck für alle gekauft und das verzehrt man dann in geselliger Runde.

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